Selbstversuche

Die Bibel & Ich ist das neue Buch von A.J. Jacobs. Jacobs ist Redakteur beim Esquire in New York und seit einigen Jahren auch Buchautor. Zu meinem letzen „runden“ Geburtstag habe ich den Vorgänger geschenkt bekommen. Die Britannica & Ich. Hierin beschreibt der Autor seine Lesung der kompletten Encyclopædia Britannica. Das hört sich erst einmal nicht so spannend an, doch durch seine Verwebung mit seinem Alltag, die Einbeziehung der Verhalten seiner Frau Julie und seiner Freunde und natürlich durch den nicht zu unterschätzenden Effekt das man als Zweitverwerter immer noch den ein oder anderen Brocken lernt, ist das Buch sehr unterhaltsam und kurzweilig.

Das aktuelle Buch Die Bibel & Ich ist ähnlich aufgebaut. Allerdings wurde das Vorhaben auf eine neue Ebene gehievt. Jacobs hat sich vorgenommen ein Jahr streng nach ALLEN Regeln der Bibel zu leben. Dazu gehört nicht nur das Einhalten der 10 Gebote. Das wäre ja relativ einfach. Er versucht schlichtweg alle Regeln der Bibel einzuhalten. Dazu gehören solche Dinge, dass man kein „Mischgewebe tragen darf“. Hierzu zählt allerdings keine Kunstfasermischungen, gab es ja damals noch nicht, sondern Gewebe das aus Baumwolle und Leinen gewebt ist. Aber auch Dinge wie den Neumond mit einem Hornstoß zu begrüßen oder das man sich nicht auf einen Sitzplatz niederlassen darf, auf dem eine Frau gesessen hat, die gerade ihre Tage hatte. Relativ schwierig wenn man mit der U-Bahn fährt. Stehen ist angesagt.

So geht es ständig weiter. Abwägen zwischen Neuem und altem Testament, regeln die eher bei den Juden gelten, bei Katholiken oder auch bei Protestanten. Gespräche mit Kreationisten (das sind Menschen die die Evolutionslehre nicht anerkennen) etc. machen das Buch, auch für einen Ungläubigen wie mich, zu einer ebenso unterhaltsamen wie auch bildenden Lektüre.

Ernährungsumstellung Das Buch lässt mich aber immer wieder schmunzeln. Aus einem ganz anderen Grund. Zum Ende des Monats beende ich eine 8-monatige Phase der Ernährungsumstellung. Ich habe eine Ochsentherapie durchgezogen, damit ich meinen Heuschnupfen endlich besiege. Grundlage war eine sogenannte Eigenbluttherapie. Diese gepaart mit einer kompletten Ernährungsumstellung und einer Holopathie haben meinen Heuschnupfen in diesem Jahr auf ein Mindestmaß reduziert. Die Ernährungsumstellung musste durchgeführt werden, da ich bei sehr vielen Lebensmitteln eine Kreuzallergie aufweise. Das fängt bei Tomaten und Paprika an, geht über Kartoffeln, Nudeln, Rindfleisch, Soya und Oliven bis hin zu Schweinefleisch und alle Getreidearten. Kreuzallergie bedeutet, dass in diesen Lebensmitteln die gleichen Allergene enthalten sind, wie sie in Pollen vorkommen. Durch die Meidung dieser Esswaren, muss sich der Körper nicht an zwei Fronten damit abmühen, diese Allergene zu bekämpfen. Er kann sich voll und ganz auf die Abwehr der Pollenallergene kümmern.

Aus genau diesem Grund, sehr viele Ausschlüsse und Einschränkungen, trage ich ständig ein kleines Moleskine mit mir rum, in dem ich zum einen die Liste der Lebensmittel habe, die ich meiden muss und zum anderen notiere, wann ich was gegessen habe, da ich gewisse Lebensmittel nur alle paar Tage essen darf.

Probleme mit den Regeln Das erinnert mich wiederum an A.J. Jacobs. Er hat sich eine mehrseitige Liste der Regeln zusammengestellt, die er bei der Lektüre der Bibel zusammengestellt hat. Darf er nun Frauen die Hand geben? (Menstruationsproblematik), Schwule muss er steinigen. Dafür hat er immer ein paar Kieselsteinchen in der Tasche. ;-)

Er darf den Wochennamen Donnerstag nicht sagen. Da das Wort von Thor, der nordischen Gottheit, abgeleitet ist. Dies würde wiederum bedeuten, man würde den Namen einer anderen Gottheit in den Mund nehmen. Was wiederum verboten ist. Regeln, Gesetze, Vorschriften. Wohin das Auge reicht. Jacobs sieht im Laufe des Jahres auch ziemlich abenteuerlich, aus einer 21. Jahrhundert Sicht, aus. Irgendeine Mischung aus Grizzly Adams, Jesus in Sandalenfilmen und Karl Marx. Da ein Mann sich natürlich auch den Bart nicht stutzen darf. Dazu kommt natürlich gewisse Anfeindungen und befremdliche Begegnungen im New York der Neuzeit. Klar, ich würde auch nicht unbedingt mit „Arms Wide Open“ auf einen Typ mit Wanderstab, ungepflegten Bart- und Haupthaaren sowie einer Kutte zulaufen, wenn er mir hier in der U-Bahn begegnen würde.

Dankeschön Ich hatte das Glück, das mein Umfeld auf meinen „Selbstversuch“, auf meine Therapie sehr positiv und verständig reagiert hat. Die Kollegen haben mich nicht zu einem Bier genötigt (Alkohol durfte ich auch nicht trinken, wg. der Bierhefe), niemand schüttelte den Kopf wenn ich zum wiederholten mal die Frauenkombi „Salat mit Putenbrust“ und eine Flasche Wasser -con Gas- bestellt hatte, oder aber meine wöchentliche Kochgemeinschaft, bereitwillig auf meine Einschränkungen Rücksicht genommen hatte. Da ein Salat mit Ziegenkäse leider nicht funktioniert und als Beilage nur Reis oder Quinoa in Frage kam.

Das einzige auf das ich mich ab dem 01. November wirklich freue ist ein Stück Brot. Die ganzen 8 Monate, sich nur von Reis- und Maiswaffeln als Surrogat zu ernähren. Das war schon hart. Da wird ein gutes, leckeres, frisches, noch warmes Sauerteigbrot vom Manufactum hier in München herhalten müssen. Es muss nicht immer Kaviar sein.

P.S.

Ab dem Frühjahr 2009 muss ich das Ganze noch einmal durchziehen. Aber dann soll alles im Lot sein. Sagt mein Arzt.

10. Oktober 2008 von jesse
Kategorien: Literatur, MeMyselfAndI | Schlagwörter: , , , | 1 Kommentar

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