Das Buch mit Rubbelfäche

Wir schreiben das Jahr 2013. Eine Dekade haben wir seit Napster hinter uns gelassen. die Musikindustrie hat die Revolution verpasst. Ein Branchenfremder hat kommen müssen (Apple mit iTunes) und der erfolgsverwöhnten Beamten-esken Musikindustrie gezeigt wie das da draußen so funktioniert. Einfachste Zugangsmöglichkeiten zu einem (teilweise) vergänglichen Gut. Musik wird heute online gekauft.
Im Bus, auf der Arbeit oder auf dem Sofa. Perfekt soweit. Darüber hinaus kauft sich der Audiophile Konsument, der Sammler noch physische Tonträger. Besondere Aufnahmen, High-End Pressungen auf Vinyl, Sondereditionen, gebundelt mit einer DVD/Blu-Ray oder Büchern, Postern oder Postkarten der Musiker. Name it.

Der Markt ist kein Massenmarkt. Aber es gibt ihn. SACD werden immer noch gekauft. Audiophile, Music-only DVDs. Ich selbst liebe es Vinyl zu kaufen. Das haptische Erlebnis. Der Klang. Alles rund um das schwarze Gold. Seit einiger Zeit findet man in den Sleeves der Plattenhüllen Download-Codes für die gekaufte Platte. Somit fällt das digitalisieren der Scheiben weg. Das funktioniert zwar leidlich gut. Ist aber aufwendig. Hier ist eine fantastische Kundenorientierung gegeben. Das eine Erlebnis, die Platte auf dem heimischen Plattenspieler zu hören. Das bewusste erhören und erleben der Musik. Und zum zweiten, die Möglichkeit die legal gekauften Tonträger mobil zu hören. Auf dem MP3 Player, auf dem Smartphone. Perfekte Kombination.

Kommen wir zur Buchindustrie.
Hier werden/wurden die gleichen Fehler gemacht wie es die Musikindustrie vorgelebt hat. Die Angst vor Raubkopien ist hier größer wie der Elan kreativ auf die Kunden zuzugehen. Auch hier hat eine Branchenfremder, Amazon, wieder die Initiative ergriffen und mit dem Kindle eine genial einfache Art erschaffen Bücher zu lesen. Der Kindle liegt seit 1,5 Jahren immer in meiner Reichweite. Ist auf meinem täglichen Arbeitsweg ein kurzweiliger Begleiter. Auch wenn ich schon immer recht viel gelesen habe, der Kindle hat dies alle potenziert. Auch weil er so einfach zu nutzen ist. So leicht. Convinient. Ich glaube ich hätte im Sommer deutlich länger gebracht, die gefühlten 7000-8000 Seiten von „Game of Thrones“, in Form von klassischen Büchern zu lesen. Alleine weil ich die jeweiligen Wälzer nicht immer und überall mitnehmen würde. Ein Kindle verschwindet schon einmal gerne in der Innentasche eine Sakkos. Trotzdem. Mir fehlen die Bücher. Auf einem Sessel sitzend, würde ich dann doch lieber ein Buch in die Hand nehmen. Vom Einrichtungsfaktor einmal komplett abgesehen.
Warum geht die Buchindustrie nicht einen Schritt weiter? Warum drucken sie nicht einen individualisierten Downloadcode in jedes Buch? Legen eine Postkarte mit einer Rubbelfäche bei?
Ich wäre bereit etwas mehr für das physikalische Buch zu zahlen, wenn ich zusätzlich den Download via Amazon (oder einem x-beliebigen anderem Dienst) zur Verfügung gestellt bekommen würde.

Die Tage las ich einen interessanten Artikel. Amazon.com hat einen neuen Service in den USA etabliert. Jeder Käufer einer CD bekommt die MP3s kostenlos zur Verfügung gestellt. Zurück bis in das Jahr 2008 werden alle bei Amazon gekauften CDs dem Käufer in der Amazon Cloud eingestellt.
Der Autor Dan Frommer stellte die Möglichkeit in den Raum dergleichen mit Büchern zu tun. Er kauft seit 18 Jahren bei amazon.com Bücher ein. Diese hätte er gerne in der elektronischen Version auf seinem Kindle. Ich auch. Das wäre schlichtweg genial. Eine phantastische Möglichkeit seine Bücher noch einmal neu zu entdecken. Zitate neu zu erleben. Zu schauen was andere hervorgehoben haben. Ich möchte das auch. Ich mag meinen Bücherschrank in einer digitalisierten Form. Aber ich möchte auch zukünftig Bücher. Papierbücher. Totes Holz in mein Buchregal einsortieren. Das olfaktorische, das haptische erleben. Und dann, damit ich lesen kann wann ich will, alle meine Bücher auf einem elektronischen Device zur Verfügung haben. Auf meinem Kindle, Smartphone, Tablet. Das Teilen von Zitaten, Aphorismen aus Büchern via Facebook oder Twitter. das gemeinsame Teilhaben innerhalb von Social Networks hebt das Leseerleben auf eine neue Stufe.

19. Januar 2013 von jesse
Kategorien: Bücher | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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